Das 1. Mal ... Yellowstone National Park

Zwischen Geysiren, Touristenmassen und zahlreichen wilden Tieren finden sich Gerald und Katrin von TravelLens.at wieder und haben sich damit einen Traum erfüllt.

Am besten erkundet man den Park mit wenig Schlaf und zahlreichen Speicherkarten. Und dafür bringt man am besten genug Geduld mit, wenn mal wieder eine Bisonherde die Straße blockiert.

 

Lust auf den ersten National Park der USA?



Stellt euch bitte kurz vor. Worüber schreibt ihr?

Wo kann man von euch lesen?

Wir sind Katrin und Gerald, beide knapp 30 Jahre alt und leben in Wien. Wir schreiben immer schon von unseren Reisen Berichte und Tagebücher. Bisher waren diese jedoch eigentlich nur für Freunde und Familie gedacht, bis wir mitbekommen haben wie groß das Interesse ist. Aus diesem Grund haben wir uns vor einigen Monaten dazu entschlossen TravelLens.at ins Leben zu rufen.

 

Der Name setzt sich aus Travel (=Reisen) und Lens (=Objektiv) zusammen und soll unsere beiden Leidenschaften Reisen und Fotografie vereinen. Wir legen daher auf TravelLens.at sehr viel Wert auf hochwertige Fotos, wobei aber der ein oder andere Schnappschuss auch dabei sein darf.

Bei unseren Reiseberichten sind wir sehr darauf bedacht auch Hintergrundinformationen einfließen zu lassen. Oftmals sieht man erst dadurch einen Ort „richtig“.


Welches 1. Mal … stellt ihr uns vor?

Wir wollen euch über unser 1. Mal im Yellowstone National Park berichten. Wieso? Weil er 2017 der Hauptgrund unserer 3-wöchigen Rundreise in den USA war und einer der Orte in den USA ist der uns am meisten beeindruckt hat.

 

Geschichtlich gesehen ist der Yellowstone etwas ganz Besonderes. Denn 1872 wurde dieses Gebiet unter den Schutz der Regierung gestellt und galt damit als erster Nationalpark. Diese Idee verbreitete sich von hier aus um die ganze Welt.

Was so besonders an diesem Nationalpark ist? Nun es handelt sich eigentlich um einen Supervulkan. Ja richtig gehört. Beinahe der gesamte Park ist innerhalb der Candela eines immer noch aktiven Vulkans. Dadurch finden sich auf einer vergleichsweise kleinen Fläche unzählige Naturwunder. Seien es Trails, Seen, Flüsse, Pools, Geysire, unzählige Tierarten oder nur die friedliche Natur – für garantiert jeden ist etwas Sehenswertes dabei.

Leider zählt der Park dadurch auch zu den meistbesuchten in den USA. In den drei schneefreien Monaten – Juni, Juli und August – drängen sich jedes Jahr gut 4 Millionen Touristen im Park. Das ist sehr viel und an bestimmten Orten auch einfach zu viel.

Eine Karte des National Parks findet ihr hier.



Habt ihr euch darauf vorbereitet?

Vorweg müssen wir sagen, dass wir alle unsere Reisen individuell und sehr detailliert planen. Wir versuchen die wenige Zeit vor Ort so gut wie möglich zu nutzen. Uns ist aber auch klar, dass diese beinahe stressige Art zu Reisen nicht jedermanns Sache ist.


Der Yellowstone National Park zählt sicher zu jenen Parks in denen man sich gut treiben lassen kann ohne vorher viel vorbereitet zu haben. Dann muss man aber deutlich mehr Zeit einplanen, was für uns einfach nicht möglich war.


Wir hatten insgesamt drei volle Tage im Yellowstone zur Verfügung und diese galt es so gut wie möglich auszufüllen. Nicht unterschätzen darf man nämlich die Fahrzeiten zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten.

 

Außerdem kommt es oft auf Grund von Bisons auf der Straße oder Bärensichtungen zu stundenlangen Staus. Damit muss jeder Besucher rechnen.

 

Wie gingen wir also bei der Planung vor? Das läuft bei uns eigentlich in jedem Park/Stadt gleich ab.

 

In einem ersten Schritt haben wir Reiseführer (es gibt hier echt wenige) und vor allem Internetseiten, Blogs und Foren durchforstet und alles aufgeschrieben was wir gerne sehen wollen. Diese Orte gruppieren wir und bringen sie in eine sinnvolle Reihenfolge, sodass die Wege möglichst kurz sind. Am Ende stand eine exakt durchgeplante Route mit eventuellen Alternativen.

 

Alternativen zu planen ist auf Grund des wechselnden Wetters, Baustellen, Tieren, Geysirausbrüchen, etc. unbedingt notwendig.


Der Mietwagen ist nicht nur eine Option

Der Park ist wunderbar ausgebaut, aber nicht nur um sich im Park fortzubewegen, ist ein Mietwagen dringend notwendig. Der Yellowstone National Park liegt sehr weit abseits großer Städte und ist daher vergleichsweise schwer zu erreichen. Die nächste größere Stadt mit internationalem Flughafen ist Salt Lake City, aber auch diese ist gut 4-5 Fahrstunden entfernt.

Ist man aber einmal im Park kommt man über den Grand Loop, einer Straße in Form einer „8“ gut überall hin. Ein Befahren von Gravelroads ist eigentlich nicht notwendig.

Hotels im Park: sehr lange vorher buchen

Das größte Problem bereiteten uns die Hotels. Jeder der den Yellowstone besucht benötigt auf Grund der Lage mindestens eine Übernachtung. Ich traue mich aber zu behaupten, dass es in fast allen Fällen mehrere sein werden. Und noch jeder hat sich die Frage gestellt „Soll ich im oder außerhalb des Parks übernachten?“.

Es gibt einige Möglichkeiten im Park selbst zu übernachten. Rund um die Eingänge im Yellowstone haben sich jedoch richtige Touristenhochburgen entwickelt (zum Beispiel Jackson oder West Yellowstone). Die Versuchung ist also groß sich dort ein Hotel zu suchen. Wir meinen aber, dass das ein Fehler wäre.

Die Erklärung dafür ist sehr einfach: die Hotels kosten beinahe dasselbe wie jene im Park, aber man fährt mindestens eine Stunde jeden Tag hin und zurück. Wieso gibt es dann so viele die dort übernachten? Das Problem ist schlicht und einfach: weil sie keine Zimmer im Park mehr bekommen haben.

 

Zusammengefasst unser Tipp:

möglichst früh ein Hotelzimmer im Park sichern. Es gibt nichts Schöneres als alleine in den frühen Morgenstunden dem Old Faithful beim Ausbruch zuzusehen.

Fotospots wohin man schaut - aber bitte zur richtigen Tageszeit

Weil auch das Fotografieren bei uns ganz oben steht, haben wir uns natürlich im Vorfeld auch mit den Bedingungen dafür auseinandergesetzt. Was heißt das? Wir suchen uns gute Fotospots heraus und ermitteln dazu die beste Tageszeit. Besonders bei der Landschafts- und Naturfotografie ist es zwar nicht möglich vorher etwas zu planen – aber die Vorbereitung sorgt trotzdem für eine bessere Ausbeute. Gerade im Yellowstone sind die Touristenmassen der entscheidende Faktor. Ab 8 Uhr und bis 19 Uhr sind an allen bekannten Orten so viele Menschen, dass ein Fotografieren keinen Sinn mehr macht.


Das heißt: wer gute Bilder möchte, muss besonders in diesem Park früh aufstehen und lange wach bleiben.

Leider aber nicht nur das. Normalerweise sollte man zwischen 10 und 15 Uhr ja bekanntlich keine Fotos machen – das Licht ist einfach zu direkt. Im Yellowstone kommen die Farben der Pools aber nur in diesem Licht gut heraus.

 

Kleiner Tipp am Rande: ohne Polfilter werden die Fotos der Pools so gut wie nichts, weil die Spiegelungen zu stark sind


Du bist vor Ort: wie ist es wirklich – Vorstellung vs. Realität?

Ganz ehrlich: wir haben unsere Vorstellungen sehr gering gehalten. Ein Ort über den so viel berichtet wird kann doch nicht so magisch sein wie die Bilder es einem einreden wollen? Doch! Und zwar noch viel mehr. Wir können euch garantieren, dass alle Bilder und Berichte korrekt sind.

Die Farben der Pools sind einfach unnatürlich, die Gewalt der Geysire unvorstellbar und die Faszination wilde Tiere aus der Nähe zu sehen zieht einen in seinen Bann.

Ein wenig enttäuscht waren wir davon, dass viele Pools bereits „tot“ sind. Auf Grund von Erdbeben entstehen immer wieder neue Pools und andere verschwinden einfach. Viele der ehemaligen Superstars besitzen keine Farben mehr und neue Pools werden von der Parkverwaltung nur sehr langsam erschlossen.

Nebenbei ist absolut davon abzuraten in den thermalen Gebieten die Stege zu verlassen. Man zerstört damit die fragile Struktur, macht sich strafbar und riskiert außerdem sein Leben!

Leider erfüllten sich unsere Befürchtungen hinsichtlich der Touristen. In der Old Faithful Area, dem Grand Canyon of the Yellowstone und dem Grand Prismatic Spring haben wir die bisher schlimmsten Touristenmassen in unserem Leben gesehen – und wir wohnen in Wien. Hier wird gedrängt, geschoben, gestoßen, herumgeschrien und völlig rücksichtslos Selfies geschossen. Ja, auch das ist der Yellowstone.

 

In einem Punkt wurden unsere Erwartungen jedoch weit übertroffen. Wir sind beide eigentlich keine Tierverrückten. Doch nach dem ersten Tier, das wir selbst entdeckt haben, waren wir süchtig danach. Einen ganzen Vormittag haben wir uns danach freigeräumt, um durch die Valleys auf der Suche nach Bären, Bisons, Schafen, etc. zu fahren.


Wieviel Zeit sollte man einplanen?

Das hängt sehr davon ab, was man sehen und wie sehr man es genießen möchte. Wir haben so gut wie alle per Auto erreichbaren Spots in 3 vollen Tagen gesehen. Wir hatten sogar noch etwas Zeit übrig und somit keinen besonderen Stress.

 

„Normalen“ Urlaubern empfehlen wir trotzdem zumindest 5 Tage zu bleiben. Man braucht nämlich auch Glück mit dem Wetter, das hier von einer Stunde auf die andere völlig umschlagen kann. Und das kann dann schon einmal einen Tag kosten.

Außerdem laden die vielen bunten Pools und Geysire mit ihren unterschiedlichen Ausbruchszeiten zum sehr langen Verweilen ein. Hier kann man schon einige Tage damit verbringen auf einen Ausbruch zu warten. Und ja das macht seltsamerweise Spaß und wird auch nicht langweilig


Würdet ihr nochmal wiederkommen?


Das ist eine schwere Frage. Wir haben das Gefühl alles Wichtige gesehen zu haben. Uns fehlen nur wenige Spots die wegen Bauarbeiten gesperrt waren. Natürlich kann man an einem Ort wie dem Yellowstone jeden seiner Urlaube verbringen und immer noch Neues entdecken.

 

Derzeit würden wir diese Frage aber eher mit „nein“ beantworten. Nicht nur, weil wir keine großen Veränderungen an der Landschaft innerhalb der nächsten Jahre erwarten. Nein vor allem deswegen, weil die Touristenmassen von Jahr zu Jahr mehr werden. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ist es in 5-10 Jahren nicht mehr möglich überhaupt in den Park zu kommen.

 

Einen Grund gäbe es jedoch wieder zu kommen: der Winter. Der Traum eines zugeschneiten Yellowstone in dem sich die Tiere an den Thermalquellen wärmen wird auf Grund der Kosten und mühsamen Anfahrt aber wohl ein Traum bleiben.


Was sollte man bei dem Erstbesuch unbedingt machen / sehen / essen / probieren?

Old Faithful Area

Das liegt eigentlich fast auf der Hand. Unbedingt gesehen haben muss man den Old Faitful und zumindest 2-3 Ausbrüche von ihm. Denn jeder Ausbruch ist tatsächlich eine Spur anders. Wenn man schon einmal dort ist darf man sich die umliegenden Pools nicht entgehen lassen. In der Area liegen die farbenprächtigsten und unglaublichsten Pools des ganzen Parks.

Gleich daneben befindet sich das vermutlich größte Blockhaus der USA – die Old Faitful Lodge, die man sich unbedingt ansehen muss, auch wenn man dort kein Zimmer bekommen hat. Das alles lässt sich jedoch an einem Tag erledigen.

Tiersichtungen in den Valleys

Pflicht ist außerdem die Fahrt durch mindestens eines der Valleys (Hayden oder Lamar) um nach Tieren Ausschau zu halten. Unsere Empfehlung ist hierbei auf Menschen am Straßenrand zu achten. Es ist nämlich unwahrscheinlich, dass man selbst der Entdecker eines Tieres wird. Einfach stehen bleiben und nachfragen was es zu sehen gibt die ist beste Möglichkeit Tiere zu finden.

Grand Canyon of the Yellowstone

Auch wenn wir ihn nicht wirklich bewundern konnten: der Canyon of the Yellowstone ist atemberaubend. Hier sollte man wirklich alle Viewpoints abfahren – jeder bietet einen anderen Blickwinkel auf die drei Wasserfälle und die gigantische Schlucht.


Übrigens: der Canyon ist für den Namen des Nationalparks verantwortlich.
Übrigens: der Canyon ist für den Namen des Nationalparks verantwortlich.

Was hättest du dir sparen können?

Es gab einige kleinere Sachen, die einfach nur eine Enttäuschung waren. Die Mammoth Hot Springs waren eine davon. Zwar sind die Sinterterrassen toll anzusehen, aber auch hier sind viele Quellen bereits versiegt oder wo anders hingewandert. Die neuen wurden jedoch noch nicht erschlossen und sind somit für Besucher nicht erreichbar. Die Bilder von dort zeigen immer nur die wenigen schönen Stellen.

 

Auch die Gebiete um den Mud Volcano kann man sich eher sparen. Zu sehen gibt es hier nur wenig – dafür stinkt es bestialisch.

Auch der Grand Prismatic Spring enttäuschte uns sehr. Wir konnten diesen auf Grund des Baus einer Aussichtsplattform nur von unten betrachten. Und da sieht man absolut gar nichts. Die gigantische Größe und prächtigen Farben sieht man leider nur von oben. Geblieben ist der Beigeschmack von einem schmalen ungesicherten Steg mit tausenden rücksichtslosen Touristen.

Die Plattform ist aber mittlerweile geöffnet und es ist somit möglich völlig straffrei einen Blick von oben zu bekommen. Leider gibt es bereits Berichte, dass diese viel zu weit unten gebaut wurde und der Bereich um den Hügel ab sofort komplett gesperrt wurde.



Was würdest du bei einem zweiten Besuch anders machen?

Noch früher aufstehen und später schlafen gehen ;)

Nein mal im Ernst: wir würden versuchen den Touristenmassen noch mehr auszuweichen. Außerdem würden wir uns mehr Zeit nehmen um einfach durch die Valleys auf der Suche nach Tieren zu fahren.

Leider blieb es mir auch verwehrt, Bilder vom Nachthimmel zu machen, weil es die ganze Zeit bewölkt war. Das würde ich aber jedem empfehlen zu tun.



Hast du bei deinem 1. Mal dort etwas Besonders / Lustiges / Abenteuerliches / Unvergessliches erlebt?

Obwohl, oder vielleicht, weil wir es nicht erwartet haben, hat uns die Sichtung einer Bärenmutter mit ihrem Jungen aus sehr geringer Entfernung am meisten beeindruckt. Wir standen 100 Meter von den Tieren entfernt und waren einfach nur sprachlos. Die Faszination, die diese beiden Tiere in uns ausgelöst haben, kann ma,n nicht beschreiben. Binnen weniger Minuten war die Straße verstopft, Parkranger sorgten für Sicherheit und mit einem Mal standen lauter Fotografen mit extrem teurer Ausrüstung neben uns.

Wir standen sicher eine gute Stunde in der Wiese und sahen dem Jungen beim Spielen und Herumtollen zu. Gerade für uns Europäer ein echt beeindruckendes Erlebnis


Aber auch unser zweites Erlebnis will ich euch nicht vorenthalten. Einer der unvorstellbarsten Pools ist sicherlich der „Morning Glory Pool“. Ursprünglich tief blau gefärbt, ist er leider durch Verschmutzung (Münzen von Touristen) mittlerweile verfärbt. Trotzdem sind die Farben bereits auf Bildern absolut beeindruckend. Natürlich kann man auf Fotos mit der Farbenpracht gut nachhelfen und so haben wir uns nicht viel erwartet.

Es war einer unserer ersten Pools im Yellowstone und wir standen beide sprachlos davor und sagten nur „Das kann doch nicht echt sein?“. Solch eine Farbenpracht bringt nicht einmal der Mensch hervor. Dass das auf völlig natürlichem Wege entstanden ist, glaubt man nicht. Und auch wir können nur Bilder davon zeigen – aber kein Bild der Welt wird diesem Pool gerecht!

Yellowstone National Park Morning Glory

Das müssen wir dazu noch loswerden…

Wir haben uns vom Yellowstone wenig erwartet und sind tief beeindruckt wieder abgereist. Wenn es nach uns geht, sollte jeder einmal in seinem Leben die Wunder im Yellowstone National Park gesehen haben.


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Und dein 1. Mal?

Wir möchten die Beitragsreihe laufend erweitern und suchen daher Erfahrungsberichte von Erstbesuchen  aus ganz Amerika. Möchtest du auch von deinem "1. Mal in ..." berichten?

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