Autounfall in den USA - und jetzt?!

Die endlosen Highways der USA können wunderschön sein, manchmal können sie sich aber auch ziehen wie Kaugummi. Die versteckten Scenic Byways laden zum Träumen ein, manchmal kann aber die Tour auf dieser Strecke zum Alptraum werden.

 

Das ist mir passiert. Ein Autounfall, genauer gesagt ein Wildunfall. Mitten in Utah, auf dem Highway 12.


Ein Autounfall auf dem Hiqhway 12

Die Umstände

Während meines zweiten USA-Urlaubes verchlug es mich in das verschlafene Örtchen Torry, kurz vor Escalante. Genauer gesagt ist zwischen Torrey und Escalante noch ein ganzes Stück Highway 12. Und zwar die Strecke, die zum Einen nicht schnell zu fahren ist, weil sie so kurvig und zum Anderen, weil der Wildwechsel auf dieser Strecke enorm ist.

 

Ich startete also früh morgens von Torrey aus. Ein gutes Stück war ich schon gefahren, noch kurz vor Boulder. Ich war guter Dinge, rechtzeitig in Escalante anzukommen. Schließlich hatte ich mir auf der Hole-in-the-rock-road so einiges vorgenommen. Aber der Tag nahm eine andere Wendung.


Ein kurzer Blick zur Seite

Es war früh morgens, aber schon hell. Ich hatte noch kein Frühstück zu mir genommen. Ich war durstig. Ich griff in die Mittelkonsole, um die Flasche Wasser zu greifen, Ich fand sie nicht sofort. Ich blickte kurz zur Seite ...

 

... plötzlich, es war nur der Bruchteil einer Sekunde, es kam mir vor wie eine Ewigkeit, liefen plötzlich zwei riesige Rehe über den Highway. Wie in Zeitlupe versuchte ich das Fahrzeug zum Stehen zu bewegen. Zu spät. Ein Reh sprang schnell zur Seite, das andere erwischte das Auto leider noch am Rumpf. Das Auto kam ins Schleudern. Ich brachte es zum Stehen. Der Reh humpelte so schnell es eben noch konnte über die Anhöhe neben der Straße und war schnell außer Sichtweite. Stille.

 

Der Schock saß tief. So schnell wie die Rehe gekommen waren, tauchten lauter Fragen in meinem Kopf auf. Was jetzt? Wie groß ist der Schaden? Bin ich überhaupt versichert? Was ist mit dem Reh?

Viel und schneller Wildwechsel gehört zum Highway 12 dazu
Viel und schneller Wildwechsel gehört zum Highway 12 dazu

Bestandsaufnahme

Ein von mir "fachmännischer" Blick aufs Auto verriet, dass Nichts wirklich dramatisches passiert war. Der Blinker schaute ein wenig hervor, ein Kunststoffteilchen war gerissen, ein paar Schrammen, ein bisschen Fell. Ok - das ging ja noch. Ich konnte wieder ein bisschen durchatmen. Was jetzt?

Muss ich irgendwen informieren? Ich überlegte, wie das bei uns in Deutschland ist. Ich hatte glücklicherweise noch nie einen Wildunfall selbst erlebt, konnte mich aber aus Erzählungen von Bekannten daran erinnern, dass sie dem örtlichen Förster Bescheid gegeben haben, um das Tier zu erlösen, damit es sich nicht noch quälen muss. Gibt es in den USA so etwas wie einen Förster? Ich war ratlos.


Musste ich jetzt wirklich wieder nach Torrey zurückfahren? Bei wem sollte ich mich da melden? Es nützte nichts. Ich stieg wieder ins Auto, wendete es und fuhr resigniert zurück nach Torrey. Gebannt, angespannt umfasste ich das Lenkrad und suchte den Straßenrand nach weiteren Rehen ab. Nach einer halben Stunde war ich wieder im Ort.

Diagnose: damage in wildlife

Ich steuerte in Torrey den einzigen Laden an, der um die frühe Uhrzeit geöffnet hatte: die Tankstelle. In meinem aufgeregten Englisch versuchte ich der Kassiererin zu erklären, was gerade passiert war. Sie war sehr hilfsbereit und erklärte mir, dass man damage in wildlife dem örtlichen Ranger melden müsste. Dann lag ich also in meiner Theorie mit dem Förster gar nicht so falsch. Sie rief ihn netterweise für mich an und ein paar Minuten später erzählte ich dem Ranger von Wayne County, wie es zu dem Unfall gekommen war und wo ungefähr das Reh sein könnte.

 

Er empfahl mir außerdem den Blinker in der örtliche Kfz-Werkstatt richten zu lassen. Ich bedankte mich bei ihm und er steuerte zielsicher den Highway 12 an. Ich saß unsicher in meinem Mietwagen.

Mit Panzertape kann man alles reparieren

In meinem Kopf lief schon wieder ein Film... wieviel würde mich die Reparatur kosten? Würde die Reparatur den ganzen Tag dauern? Wann kann ich endlich weiterfahren?

5 Minuten später war der Blinker professionell mit Panzertape befestigt, ich wieder im Auto und zum zweiten Mal auf dem Weg nach Escalante. Aufgeweckt und aufmerksamer als zuvor umschloss ich das Lenkrad fest mit beiden Händen.

 

Als ich gefühlt Stunden später in Escalante ankam, war ich völlig erschöpft von den Ereignissen des Vormittags. Dabei war der Tag gerade erst halb vorbei. Nach einer kurzen Verschnaufpause fuhr ich auf die Hole-in-the-Rock-road auf. Zumindest der Binker würde auf dieser Schotterpiste nicht abfallen.

Wie es weiterging

Da das Auto noch fahrtüchtig war und keine weiteren Schäden hatte, fuhr ich bis zum Ende des Urlaubs damit weiter durch Arizona und Utah. Bei der Rückgabe des Mietwagens gab ich an, was mir passiert war. Die netten Herren der Mietwagenstation warfen einen kurzen Blick darauf und das war´s. Ich musste dazu nichts ausfüllen oder erklären - es hatte sich damit erledigt.

Der wunderschöne Highway 12
Der wunderschöne Highway 12

Ich war erleichtert und froh mit einem Schrecken davon gekommen zu sein. Der Highway 12 ist mir seitdem prägend in Erinnerung geblieben. Seit meiner ersten Fahrt 2010 bin ich diese Strecke bereits mehrere Male gefahren. Und jedes Mal kreuzten unzählige Rehe, sogar große Hirsche meinen Weg. Diese Strecke werde ich nie vergessen und bin hier immer besonders wachsam.

 

Der Urlaub muss mit so einem Erlebnis nicht gleich vorbei sein. In meinem Falle ist ja kein großer Schaden entstanden - das Reh hat hoffentlich auch überlebt. Wäge einfach logisch deine Möglichkeiten ab und behalte einen kühlen Kopf. Drive safe!

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