Autofahren in den USA - darum macht es Spass

Roadtrips – das ist unsere Art die USA zu bereisen. Logisch also, dass ein wichtiger Teil unserer Reisen sich „on the road“ abspielt. 

       

Wir haben mittlerweile tausende, wenn nicht zehntausende Kilometer auf Interstates, Highways, Back- und Dirtroads zurückgelegt. Das Fahren in den USA ist anders – aber es ist super! Was genau wir so großartig finden, verraten wir in diesem Artikel. So manches davon würden wir uns auch auf unseren heimischen Straßen wünschen.


1. Turn on Red

Zwar gibt es ein paar Unterschiede zwischen einzelnen Staaten, aber grundsätzlich erlauben alle 50 States, dass du bei einer roten Ampel rechts abbiegen darfst. Meistens nach einem Stopp. Für den Südwesten gilt, nur wenn ein Schild („no turn on red“) dies verbietet, musst du warten.

 

Fun fact: dieses System wurde zu Zeiten der Ölkrise eingeführt wurde, um Sprit zu sparen.

Und übrigens... so etwas wie einen TÜV gibt es in den USA nicht. Da kann man schon mal ein fehlendes Bremslicht durch rotes Tape ersetzen.



2. Ampeln

Kennst du das auch? Du stehst in Deutschland an einer roten Ampel und eigentlich siehst du von der Ampel gar nichts. Die Haltelinie ist einfach so dicht an der Ampel, dass sie ohne Verrenkungen nicht zu erkennen ist. In den USA sind die Ampeln im Regelfall entweder auf der gegenüberliegenden Kreuzungsseite oder über der Kreuzung. 


3. All Way Stop

Viele Kreuzungen zwischen gleichwertigen Straßen – sowohl innerorts, als auch außerorts – haben keine Ampeln. Auch Vorfahrtsstraßen sind nicht so weit verbreitet.

 

An allen vier Seiten der Kreuzung steht ein Stop-Schild, die Regelung ist einfach: wer zuerst kommt, darf zuerst fahren. Und man kann sich kaum vorstellen, aber das klappt einwandfrei.



4. Über- und Unterführungen

Wo wir schon bei Kreuzungen sind... Wir wohnen in einer großen Stadt und sind daher leidgeprägt. Rote Ampeln mit unsinnigen Ampelschaltungen können den Weg durch Hamburg zu Stoßzeiten unerträglich machen. Was uns fehlt, sind Über- oder Unterführungen. Städtebautechnisch sicherlich nicht sonderlich ansehnlich, könnten sie trotzdem die unnötigen Staus deutlich reduzieren.

 

In den USA sind die Hauptverkehrsstraßen durch die Städte zumeist so geplant und gebaut, dass der Verkehr nicht durch unnötige Kreuzungen mit Ampelschaltungen behindert wird. Eine gute Lösung!

5. HOV - Lanes

Ja, die „High Occupancy Vehicles” Lanes (auch Car Pool Lanes) sind eine wirklich feine Sache. Auf Interstates in Städten gibt es häufig eine Spur, die nur von Fahrzeugen benutzt werden darf, die zwei oder mehr Insassen haben. Es sollen so die Autofahrer belohnt werden, die sich zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen.



6. Tanken

Wir haben uns ja an unterschiedlichen Stellen schon als große Fans von Kartenzahlung geäußert. Natürlich zahlen wir also auch mit Karte, wenn wir tanken. In den USA geht das ganz besonders bequem an der Zapfsäule. Und zwar ohne, dass du zum Bezahlen in die Tankstelle musst. Bevor Benzin (oder Diesel) in deinen Tank fließt, ziehst du einfach deine Karte einmal an der Säule durch und schon kann es losgehen.

 

Kleiner Wermutstropfen: in einigen Regionen und bei einigen Tankstellenbetreibern wird zur Sicherheit die Postleitzahl des Karteninhabers abgefragt. Bei ausländischen Karten funktioniert das leider manchmal nicht, dann kannst du ruhig mal einen ZIP aus den USA versuchen (z.B. 86336). Und manchmal klappt beides nicht, dann musst du doch wieder im Häuschen zahlen.



7. Rechts überholen

Wer kennt sie auf Autobahnen nicht – die Mittelspurschleicher.

 

Dann von der ganz rechten Spur auf die ganz Linke, um zu überholen und dann wieder zurück nach ganz rechts - nervig. In den USA ist das Überholen (eher Vorbeifahren) auf der rechten Seite gestattet. Zugegebenermaßen bei teilweise 6 Fahrstreifen in eine Richtung würde es auch sonst echt zur Herausforderung, einen Mittelspurschleicher zu überholen. Wir finden aber, es macht das Fahren insgesamt angenehmer, da nicht der gesamte Verkehr nach links drängt.    


8. Parkplätze

Auch die schönste Autofahrt endet irgendwann und dann heißt es Auto abstellen. Und da Amerikaner ohne Zweifel einen Faible für große Autos haben, benötigen sie auch große Parkplätze.

 

Im Südwesten der USA findest du eigentlich überall (in den Städten und auf dem Land) gut gelegenen Parkraum. Das fehlt uns hier schon sehr.

 

Zugegebenermaßen ist es in Städten wie Hamburg und Berlin extrem nervig. Wess es überhaupt Parkplätze gibt, sind sie zu klein, zu eng und teuer. Teilweise musst du mittlerweile sogar bei Supermärkten einen Parkschein lösen. Auch Parkhäuser von Einkaufszentren nehmen mitunter 3 EUR die Stunde – na, wer verweilt da nicht gerne zum Shoppen.



9. Tempolimit

Ok, die Katze ist aus dem Sack! Ja, wir sind große Freunde von dem Tempolimit auf den Interstates. Normal sind Geschwindigkeiten von 100 bis maximal 130 km/h. Auf deutschen Autobahnen, besonders zu Stoßzeiten, muss man schon manchmal an der Zurechnungsfähigkeit der „Eiligen“ zweifeln. Autobahn ist in den Köpfen fest mit der Idee verknüpft, ohne Limit fahren zu können. So klein die Lücke auch ist, hauptsache einmal wurde das Pedal voll durchgedrückt.

 

Wir empfinden das Fahren auf Autobahnen in den USA viel entspannter. Sicherlich würde es auch die kollektive Identität unseres Landes verkraften, wenn wir das Merkmal „freie Bürger, freie Fahrt“ streichen würden. 

Transporte wie diese sind den USA keine Seltenheit
Transporte wie diese sind den USA keine Seltenheit


10. Himmelsrichtungen bei Straßennamen

Bei überregionalen Straßen ist das Phänomen besonders präsent. Manchmal habe ich das Gefühl, wir müssen hier zu Hause permanent den gesamten ADAC-Reiseatlas im Kopf haben. Fahre ich auf eine Bundesstraße oder Autobahn auf, muss ich, um die Orientierung zu behalten, die nächstgelegenen Orte kennen. Denn diese sind ausgeschildert. Bin ich aber gerade nicht zu Hause unterwegs, bleibt mir nur zu raten.

 

In den USA sind größere Straßen um die Angabe der Himmelsrichtung ergänzt, in die sie führen. Hat man sich einmal an die Art der Orientierung gewöhnt, ist dies eine große Erleichterung.

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Kommentare: 4
  • #1

    Peter Reichert (Sonntag, 25 März 2018 12:44)

    Hier noch ein paar Ergänzungen:

    Zu 6: Wenn ich als Beifahrer mit der Kreditkarte ins Häuschen gehe kann es schon mal dauern bis ich wieder raus komme. Man zeigt die Karte und es kommt „Hey, you’re from Germany?“. Nicht selten folgt ein nettes Gespräch mit der Kassiererin wo sie mal in Deutschland gewesen ist. Und der Fahrer wundert sich draußen im Auto, dass du nicht wieder kommst.

    11. Fast überall wo man auf der Autobahn gerade in den nächsten State gefahren ist kommt ein State Info Center. Hier findet man alle touristischen Prospekte über jede Region des State. Und man bekommt eine State Road Map und ein State Guide Book kostenlos.

    12. Habt ihr euch schon mal gewundert, dass die Highway Exits nicht durchgehend nummeriert sind? Beispiel: I-85 in NC Richtung North, nach Exit 81 folgt Exit 84. Du wirst feststellen, es sind ca. 3 Meilen zwischen den Ausfahrten. Auf den meisten State Road Maps sind die Exit Nummern eingetragen. Du kannst vor der Fahrt an den Nummern auf der Map ausrechnen wieviel Meilen es zwischen den Abfahrten sind.

  • #2

    Jan (Sonntag, 25 März 2018 18:47)

    Danke, Peter!

    Da hast du echt noch ein paar gute Ideen in petto!
    Und bei den netten Gesprächen können wir Dir nur zustimmen :) !

    Viele Grüße,
    Jan

  • #3

    Mario (Sonntag, 25 März 2018 23:45)

    Gute Zusammenfassung, was noch fehlt währe die Bedeutung der Farben der Bordsteine hinsichtlich Parken, rot, blau, gelb

  • #4

    Thomas (Dienstag, 27 März 2018 01:02)

    Bis auf das mit dem Tempolimit bin ich da ganz bei euch.

    Was noch ergänzt werden kann: wenn man mit der Maestro-Card (z.B. Co-Brand der deutschen Girocard oder gratis ohne Auslandseinsatzentgelt bei N26 oder Revolut) statt der Kreditkarte bezahlt, wird die PIN statt Postleitzahl am Tankautomat abgefragt, und der Gang zum Kassierer entfällt auch für uns Deutsche.