Fotoklau: was passiert, wenn ein You Tuber dein Foto verwendet

Es ist schon zur Routine geworden. Statt durch unsere TV-Sender zu zappen, scrollen wir lieber einmal am Tag durch die Videovorschläge von YouTube. Mal was über Reisen, mal was über Fotografie, mal TV-Pannen oder auch mal Reportagen. Das Angebot ist scheinbar grenzenlos und die Spanne an Niveau und Ernsthaftigkeit ebenfalls.

 

Doch was passiert eigentlich, wenn du plötzlich dein Foto als Thumbnail findest?


Die Entdeckung

Es hat sich bei uns einfach ergeben, dass wir tatsächlich mehr YouTube schauen als Fernsehen. Und so haben wir einige Vlogger (oder vielleicht auch Influencer) entdeckt, deren Videos wir fast täglich schauen.

Und natürlich schauen wir auch die Videos, die uns empfohlen werden oder als Trends angegeben werden. Wenn da plötzlich ein blondes Mädel "dapdap" im rosa Kleidchen trällert oder jemand seine Freundin mit einem Betrug prankt, schalten wir schnell wieder an. Not our scene!

Imke scollte eines Abends also durch die Videovorschläge und stoppte plötzlich. Moment mal... ein Video über Las Vegas. "Ist das vielleicht interessant für mich", fragte ich mich. Als ich auf dem Thumbnail länger verweilte, begann ich mich zu fragen, warum mir das Vorschaubild so bekannt vorkam. Es zeigte das Las Vegas Sign. Und offensichtlich stand jemand mit dem Rücken zur Kamera vor dem Zeichen. Das ungwöhnliche an dem Bild: es wurde in schwarz-weiß aufgenommen und die Person auf dem Foto trug eine Mütze. In Las Vegas?


Screenshot vom Handy
Screenshot vom Handy

Unser Foto hängt als Postkarte bei uns am Kühlschrank. Da mussten wir direkt mal prüfen, ob es wirklich unser Foto ist. Check - es ist so!

Ich muss kurz in eine Schockstarre verfallen sein, denn Jan stand plötzlich neben mir und blickte ebenso ungläubig wie ich auf den Fernseher.

 

"Das ist dein Foto. Das ist meine Mütze. Unser Bild ist bei YouTube." Ich schaute Jan verwirrt an. Ich konnte es nicht wirklich fassen. Wie war das möglich?

 

"Die haben unser Foto geklaut", sagte Jan irgendwann.



Wie geht es weiter?

Ok, es stand also fest. Jemand hat unser Bild geklaut. Das ist uns nicht zum ersten Mal passiert. Auch auf Facebook hat jemand schon mal eines unserer Bilder als seins ausgegeben. Das war allerdings eine Privatperson.

In diesem Fall handelt es sich um ein YouTuber-Paar, das sich damit weit mehr als ihren Lebensunterhalt verdient. Jeden Tag wird ein neues Video zu unterschiedlichen Themen hochgeladen.

Die Abonenntenzahl ist für deutsche Verhältnisse erheblich, ein professionelles Management kümmert sich um den Kanal. Dieser hat daher auch eine ganz andere Reichweite.

Was also tun? Wir wägten die unterschiedlichen Möglichkeiten ab -während im Hintergrund die Klickzahl des Videos stetig weiter stieg. Und ehrlich gesagt fuhren in diesem Moment auch unsere Emotionen Achterbahn.



Wege zum Recht

1. Auf eigene Faust

Natürlich kannst du die Verursacher einfach anschreiben und die Sache selbst in die Hand nehmen. Besonders bei großen Marken und Kanälen besteht jedoch die Gefahr des "nicht ernst genommen werdens". Rechtsabteilungen oder Management kümmern sich fast täglich um rechtliche Ansprüche und haben daher eine ganz andere Routine im Umgang mit dem Vorgang. 

Unsere Empfehlung: bei Privatpersonen würden wir diesen Weg auf jeden Fall gehen. Bei Kenntnis der Rechtslage und geringer Komplexität des Verstoßes vielleicht auch bei gewerblichen Verstößen.

2. CopyTrack etc.

Es gibt Dienste im Internet, die sich auf das Aufspüren von Urheberrechtsverletzungen und deren spätere Abmahnung spezialisiert haben. Der bekannteste Vertreter ist CopyTrack. Du lädst deine Bilder hoch, die Software durchsucht das Internet. Bei gefundenen Verdachtsfällen  entscheidest du dann nur noch, welcher Fall wirklich durchgesetzt wird.

Die Grundversion ist zur Nutzung kostenfrei, natürlich behält CopyTrack eine Provision dafür ein. Ab einer bestimmten Bildanzahl wird die Nutzung auch kostenpflichtig.

Unsere Empfehlung: für die Suche "in den blauen Dunst" ist die Software ganz ok, bei Bildveränderungen (wie in unserem Fall) jedoch machtlos. 


3. Rechtschutzversicherung

Machen wir es kurz: die meisten RSV zahlen bei Urheberrechtsverletzungen nicht. Tatsächlich egal ist dabei, ob man Verursacher oder Geschädigter ist - der gesamte Rechtsbereich ist ausgeschlossen. Selbst RSV für Fotografen und Künstler schließen das eigentlich fast immer aus (oder sind unbezahlbar).

4. Eigener Anwalt

Einen eigenen Anwalt zu beauftragen, hat viele Vorteile. Jedoch als Nachteil das Kostenrisiko, wenn das Durchsetzen der Ansprüche scheitert. Der unmittelbare Kontakt und die vorherige juristische Einschätzung durch einen Anwalt minimieren zwar dieses Risiko, ein Restrisiko bleibt.   

 



Unsere Lösung

Wir fragen uns ernsthaft, ob es gleich "die große Keule" sein muss. Zugegebenermaßen sind wir aber in Fragen des Urheberrechts in Social Media nicht so firm, dass wir es mit einem professionellen Management einfach so aufnehmen könnten. Fragen, ob es überhaupt Ansprüche unsererseits gibt, wie es mit der Beweissicherung aussieht und welche Fristen gelten, konnten wir nicht beantworten.   

 

Wir entschieden uns daher tatsächlich, den Vorgang einem Anwalt zu übergeben, der auf digitale Urheberrechtsverletzungen spezialisiert ist. 

 

Das Original-Foto von uns
Das Original-Foto von uns

Die Einschätzung des Fachmannes und dann auch das spätere Ergebnis des Vorgangs sind eindeutig. Durch die Veränderung des Bildausschnittes wurde unser Wasserzeichen entfernt - somit ein besonders strafbewehrter Fall. Alles in allem wurde die Sache in unserem Sinne abgeschlossen.

 

Die Kosten des Verfahrens (auch wenn wir sie nicht tragen mussten) haben uns jedoch schon etwas irritiert. Zwar sind die Kosten für den Anwalt bundeseinheitlich ein einer Gebührenordnung geregelt, und auch der uns entstandene Schaden ist quasi verbindlich in einer Tabelle abzulesen. Alleine die beiden Anwälte (unserer und der der Gegenseite) haben jedoch zusammen gut 1.100 € gekostet. Hinzu kam dann noch der Schadensersatz - ein kostspieliges Unterfangen.   


Zusammenarbeit

Sollte ein Unternehmen, ein Blogger oder eine Privatperson eines unserer Bilder nutzen wollen, ist dies selbstverständlich möglich - sofern vorher darüber mit uns gesprochen wird. Es würde uns sogar freuen, wenn wir unsere Fotos für unterschiedliche Dienste und Zwecke zur Verfügung stellen können - solange es zu uns und unserem Blog passt. Weitere Informationen für Kooperationen findest du hier.

Disclaimer:

Es geht uns mit dem Artikel nicht darum, dreckige Wäsche zu waschen. Gerade deswegen wird die Identität der Personen auch durch uns nicht bekannt gegeben. Wir möchten anderen Bloggern Hinweise geben, wie sie vorgehen können, wenn ihnen ähnliches widerfährt.

 

Respect - don´t copy!

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