Fotoprojekt No. 5: How to ... Sterne fotografieren

„piep – piep – piep“

Dein Wecker klingelt erbarmungslos. Es ist mitten in der Nacht. Hast du das wirklich getan? Hast du deinen Wecker wirklich auf 2 Uhr nachts gestellt? Du fragst dich, was dich wohl geritten hat, dir einzureden, es sei eine gute Idee, den Sternenhimmel zu fotografieren.

 

Aber da du nun schon mal wach bist, warum versuchst du es nicht? Wir verraten dir, wie es bei uns klappt!


Be prepared - es ist eine Sache der Vorbereitung

Es braucht gar nicht viel zum Gelingen der Fotos – auch im Stockdunklen. Es ist allerdings eine Frage der Vorbereitung, wie gut und leicht dir alles von der Hand geht. Dein Equipment spielt eine Rolle, genauso wie die Location und die Kameraeinstellungen.

Das 3x4 der Astrofotografie erwartet dich!

Equipment

1.Kamera

Ja, natürlich brauchst du eine Kamera. Und deutlich wichtiger als am Tage ist bei der Fotografie in der Nacht, dass du deine Bilder in RAW aufnimmst. Viele Kameras (auch Bridge-Cams) bieten dir diese Möglichkeit und ohne kannst du dir den Aufwand echt sparen. Im Idealfall lässt sich eine Kamera manuell steuern (Modus „M“) oder lässt zumindest Belichtungen von 15 Sekunden und länger zu.

3. Objektiv

Möchtest du die Sterne (oder die Milchstraße) fotografieren, solltest du dich für die geringste Brennweite entscheiden, die du hast (im Idealfall ein Weitwinkelobjektiv). Auch wenn es verlockend klingt, dichter an die Sterne heranzuzoomen (mit einem Teleobjektiv), birgt das eine große Herausforderung. Auf Grund der Erdrotation bewegen sich die Sterne vor unserem Auge – und damit auch vor dem Objektiv. Das Ganze geschieht zwar sehr langsam, aber es passiert. Je näher du also an die Sterne heranzoomst, um so eher siehst du bei Belichtungszeiten von 20-30 Sekunden einen „leuchtenden Schweif“ anstatt eines „leuchtenden Punktes“ als Stern – er verwischt. Also: je kurzer die Brennweite, um so länger kannst du belichten, um so mehr Sterne wirst du „einfangen“.

2.Stativ

Ohne ein stabiles Stativ ist es schwer, gute Aufnahmen in der Nacht zu realisieren. Du könntest zwar versuchen, deine Kamera auf einem festen Untergrund gen Himmel auszurichten, aber wirklich erfolgversprechend klingt das nicht. Auch flexible Stative (wie Gorilla Pods) sind nur mäßig geeignet, weil bei Belichtungen von 20-30 Sekunden wirklich nichts wackeln oder nachgeben darf.

4. Lampe

Als Schlussfolgerung aus der überraschenden Erkenntnis, dass es nachts meistens dunkel ist, haben wir immer mehrere Lampen dabei. Zum einen eine Handlampe (Taschenlampe) zur freien Ausleuchtung und zum anderen eine Kopflampe zur Ausleuchtung des Weges, den wir gehen. Nachts z.B. zwischen riesigen Saguaro-Kakteen oder Joshua-Baumen möchte ich nicht ohne Sicht nach einem geeigneten Platz für das Foto suchen. Es könnte stachelig enden.

Wichtig ist uns, dass wir mindestens eine Lampe dabei haben, die auch eine Rotlicht-Funktion hat. Deine Augen brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt haben und du dich orientieren kannst. Wenn du dann nur mal schnell eine Einstellung an der Kamera ändern möchtest und dafür dann das helle Licht einschaltest, bist du massiv geblendet. Rotes Licht ist im Dunklen für die Augen wesentlich angenehmer – und sehen kannst du damit im Nahbereich trotzdem.

Sterne mit Schweif bei zu langer Belcihtung


Location

Um schöne Fotos vom Sternenhimmel zu machen, solltest du ein vier Dinge bei der Auswahl der Location beachten:

1.Lichtquellen

Entferne dich so weit wie möglich von allen Lichtquellen. In der Innenstadt von Las Vegas wirst du deutlich weniger Sterne sehen, als „im Nichts“ in Mexican Hat. Fahre lieber ein paar Minuten länger für ein deutlich besseres Ergebnis.

3.Vordergrund

Suche dir einen Vordergrund, der von seinen Umrissen interessant ist. Ein Joshua Tree, ein Kaktus oder ein extravagant geformter Fels eigenen sich hervorragend für deinen Bildvordergrund. Meistens wirst du auf dem Foto nicht mehr erkennen, als die Silhouette.

Milchstraße im Joshua Tree Sonnenaufgang

2.Himmelsrichtung

Fotografiere in die richtige Himmelsrichtung. Die Sonne geht im Westen unter und im Osten auf. Wenn du deine Kamera ausrichtest, fotografiere in die Himmelsrichtung, die am weitesten vom derzeitigen Stand der Sonne entfernt ist. Richtest du z.B. die Kamera zwei Stunden vor Sonnenaufgang Richtung Osten, wirst du schon die die ersten hellen Bereiche auf dem Foto haben, die deine gewünschten Sterne „schlucken“.

Im Vollmond herum gilt für den Mond das selbe. Auch ist die Milchstraße nicht überall mit bloßem Auge erkennbar. Wenn du nicht mühselig herumprobieren möchtest, welche Himmelsrichtung in dem Moment die richtige ist, kannst du mit Apps wie „Stellarium“ die Position von Sonne, Mond und Sternen bequem am Handy oder Tablet erkunden.

Sternenhimmel gegen den Vollmond fotografiert

4.Auschecken

Es bietet sich ggf. an, die Stelle vorher einmal zu erkunden, um zu schauen, ob nicht in der gewünschten Himmelsrichtung evtl. doch ein Hindernis in der Ferne vorhanden ist. Schau dir vorher an, welcher Bildausschnitt für dich passt.



Einstellungen

1.Blende

Wähle die größtmögliche Blendenöffnung, die dir zur Verfügung steht („kleine f-Zahl“).

3.Fokus

Fokussiere auf unendlich und schalte dann den Autofokus und die VR (Vibrartionsreduzierung des Objektivs – auch SteadyShot) aus. Findest du im Dunklen keinen Fokuspunkt, versuche mit der Lampe, weit entfernt etwas anzuleuchten und darauf zu fokussieren. Da die Blende weit offen ist (also eine geringe Tiefenschärfe abgebildet wird), sollte der „Hilfsfokuspunkt“ so weit wie möglich von dir entfernt sein. Versuche alternativ die Kamera vorher im Hellen auf unendlich zu fokussieren und den Fokus dann nicht mehr zu verstellen.

2.Brennweite

Wähle eine geringe Brennweite, die die vorher gewählte Blende ermöglicht. Viele Objektive bieten bei höheren Brennweiten nur kleinere Blenden („höhere f-Zahlen“) an. Zoome also soweit heraus, bis du die niedrigste am Objektiv verfügbare Blende nutzen kannst. Wenn dein Objektiv z.B. 18mm bei f3.5 und 60mm bei f5.6 ermöglicht, gehe ich auf 18mm f3.5.

4.Belichtung

Wähle eine Belichtungszeit von 30 Sekunden und mache in paar Probeschüsse mit ansteigenden ISO-Werten. Entscheide dich für einen ISO-Wert, der so hoch wie nötig aber so klein wie möglich ist. Denn je höher deine ISO, um so mehr Rauschen hast du später im Bild.

Im Idealfall kannst du mit ISO 1600 schon so viele Sterne einfangen, wie du möchtest. Für die meisten DSLR ist bis ISO 1600 die Bildqualität mit der Rauschreduzierung in Lightroom auch gut zu kontrollieren. Nutze, falls nötig aber auch höhere ISO (und nehme damit mehr Rauschen in Kauf).

Mache einfach ein paar Aufnahmen mit wechselnden ISO-Einstellungen, damit du dich später am Computer in Ruhe für deinen Favoriten entscheiden kannst.



Kurz erklärt: Belichtung

Spiele ruhig an den Einstellungen herum, bis du die für dich richtige Belichtungseinstellung gefunden hast. Das Schöne bei der digitalen Fotografie ist ja, dass es nicht auf ein Bild mehr oder weniger ankommt. Wenn du irgendwann den Dreh raus hast, machst du automatisch wieder weniger Fotos – die sitzen dann aber.

 

Unter Belichtung versteht man, wie viel Licht (also Bildinformationen) auf den Sensor kommt. Diese speichert diese Lichtinformationen und erzeugt darauf ein Abbild auf dem Monitor. Kommt zu wenig Licht auf den Sensor, gibt es keine Informationen – das Bild bleibt schwarz. Kommt zu viel Licht auf den Sensor, gibt es zu viele Informationen, die nicht verarbeitet werden können – das Bild wird weiß.

Die drei Säulen der Belichtung (Verschlusszeit, Blende und ISO) müssen sich also die Waage halten. Änderst du einen Parameter, musst du die anderen auch anpassen, sonst gerät dein Bild aus dem „Gleichgewicht“. ISO ist hierbei der Parameter, den du als letztes verändern solltet. Er regelt die Lichtempfindlichkeit deines Sensors. Je höher die ISO-Zahl, umso mehr verstärkt die Kamera die Eintreffenden Informationen. Mit ansteigender Verstärkung (also Lichtempfindlichkeit) wird der Sensor allerdings auch empfindlicher für Bildstörungen (ISO-Rauschen). Bis zu einem gewissen Grad kannst du diese später (z.B. mit Lightroom) herausfiltern, aber es bleibt ein „künstlich“ verstärktes Bild.  


Und verzage nicht, wenn dein Foto auf dem kleinen Vorschaumonitor nicht so aussiehst, wie du es erwartest – später am Computer wirst du überrascht sein, was daraus geworden ist. Nun aber viel Spaß beim Ausprobieren!

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