Missing hiker - DAS könnte gefährlich werden

Aktuell werden im Joshua Tree und im Grand Canyon National Park Hiker vermisst. In beiden Fällen laufen die Suchaktionen auf Hochtouren.

Solche News führen uns immer wieder vor Augen, dass die Natur des Südwestens kein Spielplatz ist. Die Trails der Wüste sind keine Laufstege in Modemetropolen - auch wenn manche Touristen ein anderes Bild vermitteln.

 

Ein Beitrag über die Leichtsinnigkeit manche Reisender.


Wir kommen zurück von einer Wanderung. In der Entfernung neben unserem Auto sehen wir etwas glitzern. Oder haben wir uns getäuscht? Ist uns die Hitze doch zu Kopf gestiegen? Nein, da blitzt es wieder auf. Wir kommen näher und sehen am Anfang des Trailheads eine Frau mit Glitzertop stehen. Neben ihr die männliche Begleitung dazu - in Straßenschuhen mit einer kleinen Gürteltasche. Kein Sonnenschutz, kein Trinken, keine Wanderbekleidung.

 

Mal ehrlich, was denkt ihr in diesem Moment???

A. Das Paar hat sich verfahren und wollte eigentlich zu einer Fashion Show.

B. Wir haben absolut keinen Schimmer von Wandermode.

C. Das Paar hat keine Ahnung, worauf sie sich beim Hiken eigentlich einlassen.

 

 

Was ist in diesen Augenblicken die richtige Vorgehensweise?

A. Den Klugscheißer raushängen lassen und erzählen, warum die beiden nicht hiken sollten.

B. Einfach mal die Klappe halten.

C. Jeder ist für sich selbst verantwortlich,

aber vielleicht mal vorsichtig nachfragen,

ob die beiden wissen worauf sie sich einlassen.

Unterwegs an einsamen Plätzen in der Wüste
Unterwegs an einsamen Plätzen in der Wüste

Wir haben am eigenen Leib erfahren, was die Hitze der Wüste mit einem anstellen kann. Hier lest ihr unseren Erfahrungsbericht.

Wir hatten schon zwei einprägsame Begegnungen dieser Art. Unschlüssig blieben wir zurück und starrten beide Mal ungläubig den Menschen hinterher, die sich scheinbar völlig kopflos in das Abenteuer stürzten.

 

Es ist August 2012 Imke und ich nähern uns nach einer anstrengenden Wanderung wieder dem Trailhead und unserem Auto. Die Wanderung zum Kasha-Katuwe Tent Rocks National Monument hat uns beeindruckt. Ein toller kleiner Slot Canyon und atemberaubende Fels-Formationen, die uns wirklich an Wigwams erinnert haben. Aber wir sind froh, wieder zurück zu sein, denn über uns ziehen dunkle, um nicht zu sagen schwarze, Wolken auf. Es beginnt zu regnen. Fast zurück am Trailhead kommt uns ein deutsches Pärchen entgegen, sie sind gerade aufgebrochen, und fragt uns nach dem Weg. Natürlich geben wir Auskunft aber betonen, dass es keine gute Idee ist, bei einsetzenden Regen aufzubrechen. Sie lächeln gequält freundlich und gehen weiter.

Es ist Juni 2017, 12 Uhr Mittags. Candy Cliffs Trailhead. Nach schweißtreibenden 4 Stunden sind Imke und ich endlich zurück im Auto und genießen ein kaltes Getränk. Um uns herum glüht der Sand in der über 35° heißen Mittagshitze. Gerade, als wir losfahren wollen, sehen wir im Rückspiegel auf der anderen Straßenseite zwei etwas orientierungslos dreinblickende Personen. Zwei Deutsche, sie suchen den Trailhead.

Natürlich können wir ihnen helfen doch werden wir den Eindruck nicht los, dass sie nicht so recht wissen, worauf sie sich einlassen. Ein glitzerndes Top, eine Gürteltasche, ein kleiner Lederrucksack und „Straßenschuhe“. Wir berichten ihnen von den Herausforderungen des Trails, der durch Sand und glatten Felsen reflektierten brutalen Hitze unterwegs. Sie lächeln gequält freundlich und machen sich auf den Weg Richtung Trail.


Wir haben bei solchen Begegnungen immer ein flaues Gefühl im Magen. Natürlich fühlen wir uns nicht verantwortlich, aber wir möchten natürlich achtlose Menschen auch nicht blindlings in die Gefahr rennen lassen. Sicherlich stehen wir unter dem Eindruck unserer bisherigen Erfahrungen.

 

Besonders im letzten Jahr haben wir viele Fälle von Hitzschlag und Dehydration gesehen, zum Beispiel zusammenbrechende „Wanderer“ in Anzug und Halbschuhen an der Fire Wave im Valley of Fire. Imke selbst hat schon einen Hitzschlag erlitten und musste in Kanab in die Notaufnahme. Auch das Unglück aus 2016, bei dem zwei Hannoveraner beim Wandern in Arizona gestorben sind, bleibt uns da im Hinterkopf.

Das beste Foto ist nichts wert, wenn du es nicht mehr sicher zurück bringen kannst.

Unsere drei persönlichen "Sicherheitsregeln" lauten daher:

 

1. be prepared

Auch auf unwahrscheinliches, technisch wie mental.

 

2. know your limits

  Es ist keine Schande, wenn der Schuh eine Nummer zu groß ist.

Brich den Hike ab, trainiere und komme besser vorbereitet zurück!

 

3. tell someone

Egal ob das Logbuch am Trailhead, dein Host oder ein Bekannter.

Wenn keiner weiss, wo du bist, kann keiner nach dir suchen

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