Wenn sich Pläne ändern

Wenn dir im Urlaub das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, was dann? Genau das haben wir uns 2013 auf unserem Roadtrip auch gefragt. Wir befinden uns zu diesem Zeitpunkt in Utah, genauer gesagt in Escalante. Ein Dirtroadparadies! Von der bekannten Hole-in-the-Rock-Road aus, wollten wir viele Wanderungen in die schönen Slotcanyons machen und diese erkunden. Doch alles kam anders als gedacht.

 


60 Meilen Dirtroad

Es ist Samstag und wir sind gerade in unserer Blockhütte im Outfitters eingezogen. Das, was in die spärliche Behausung passt, ist drin, der Rest bleibt im Auto. Etwas gewöhnungsbedürftig ist es schon. Mehr als das Bett und ein zuerst für uns überflüssiger Heizlüfter füllen das „Haus“ komplett aus. Aber wir wollen ja den Großteil des Tages sowieso draußen verbringen, da stört uns das nicht.

 

Es bereits nachmittags als wir im Supermarkt noch schnell ein paar Steaks holen und uns dann mit unserem Grillzubehör auf den Weg machen, um am Devils Garden zu grillen. Die 60 Meilen Dirtroad liegt uns zu Füßen und der trockene Sand hinterlässt einen staubigen Film auf den Fensterscheiben des SUV´s – herrlich!

Am Parkplatz angekommen werfen wir einen Blick nach hinten. Der eben noch blaue Himmel hat sich in einen dunklen Horizont verwandelt. Für uns scheint das noch meilenweit entfernt – wir haben Hunger!

Wir bereiten also unser Abendessen zu und genießen die herrliche Luft. Immer wieder kommen ein paar Touris vorbei, die neidisch auf unser Essen starren und mit denen wir ein paar Worte wechseln. Wir treffen auch eine Gruppe an Fotografen, die mit ihren Stativen bepackt die Milchstraße im Devils Garden fotografieren wollen. Beeindruckend!

 

Das Wetter ändert sich ...

Als wir den Blick von unseren Tellern heben und wieder gen Himmel schauen, ist von blauen Wolken kaum noch eine Spur. Man sieht deutlich, wie der Regen auf uns zukommt.

 

Wir packen unsere Sachen schnell ins Auto und treten die Rückfahrt an. Kaum sitzen wir im Auto tropfen auch schon die ersten Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Ach, das schaffen wir bestimmt noch!

Kaum biegen wir um die nächste Kurve merken wir, dass es schon zu spät ist. Die lehmige Straße ist mittlerweile schon total aufgewichen. Scheinbar hat es tage-, vielleicht sogar wochenlang nicht geregnet. Die trockene Erde kann das Wasser so schnell gar nicht aufnehmen. Und ein paar hundert Meter weiter, stehen wir vor einer riesigen Pfütze. Wir halten den Wagen an.

Ratlosigkeit

Was sollen wir jetzt tun? Vielleicht ist die Pfütze ja ganz flach und wir können einfach durchfahren. Und was ist, wenn sie es nicht ist und wir uns jetzt kurz vor Einbruch der Dunkelheit hier im Regen festfahren? Kurzerhand zieht Jan seine Schuhe aus und krempelt seine Wanderhose hoch. Wie im Kneipp-Bad watet er durch das riesige Wasserbecken, um zu ertasten, wie wir es am besten durchfahren können. Knietief steht er da und dreht sich zu mir um und ruft „Hier wird es bestimmt gehen, wenn wir einfach schnell fahren!“ An seinem Gesichtsausdruck sehe ich, dass er sich selbst nicht glaubt, was er da gerade sagt.

Augen zu und Durch

Gesagt – getan! Fest aufs Gaspedal getreten durchfahren wir mit ordentlich Wumms die riesige und wirklich tiefe Pfütze. Es schaukelt und ruckelt und rotes, braunes Wasser spritzt an die Scheiben. Wir drehen uns ein wenig und Jan gibt noch mal ein bisschen mehr Gas. Da, endlich, wieder richtigen Grund unter den Vorderreifen. Wir atmen auf und sehen uns an! Puh, geschafft!

 

Glücklicherweise bleibt das tatsächlich die einzige schwierige Passage auf der Dirtroad, so dass wir unsere Blockhütte erreichen, die uns sofort wieder daran erinnert, dass hier alles ein bisschen anders ist als im Hotel.

 

In einer warmen Sommernacht schnell über den Hof in das Toilettenhäuschen gegenüber zu huschen sieht nämlich ganz anders aus, wenn es in Strömen regnet.


Wie man sich bei Regen die Zeit vertreibt

 

Unser Erlebnis auf der HITRR war der Startschuss für zwei Tage Dauerregen. Nachts wurde es mächtig kalt in der kleinen Hütte und wir waren froh, über den Heizlüfter, der zwar auch den Staub der letzten Wochen aufwirbelte, aber wenigstens etwas Wärme in unsere Hütte brachte. Wir zogen alles an Klamotten an, was wir aus dem Auto mitgebracht hatten und kuschelten uns in das dünne Laken.

Der kleine Lebensretter mit unserem Abendessen
Der kleine Lebensretter mit unserem Abendessen

Als wir morgens aus der Hütte schauten, regnete es immer noch. Es sah dunkel und ungemütlich aus. Einen Sonntag in Escalante zu verbringen hatten wir uns bei Sonnenschein herrlich vorgestellt – jetzt ohne jede Einkaufsmöglichkeit oder andere Ablenkung waren wir nach dem spärlichen Frühstück eher ziemlich ratlos. Die HITRR ist nicht mehr befahrbar, also machten wir uns auf zum Visitor Center. Auch dort wurde uns dringend davon abgeraten, irgendeine unaspahltierte Straße zu befahren. Erst gestern hatten die Ranger auf der HITRR eine Gruppe Touristen aus dem Schlamm gezogen. Wir mussten sofort an die Fotografen denken. 


Wir entschieden uns also dafür, in den Bryce Canyon zu fahren. Wir hatten wenig Lust, den ganzen Tag in der Hütte zu sitzen und Karten zu spielen. Im Bryce regnet es zwar nicht allzu stark, aber es ist eisig kalt und nebelig. Von dem tollen Panorama der rote Hoodoos kann man eigentlich nichts erkennen, wenn man nicht weiß, was sich hinter der Wolkenwand verbirgt.

 

Mehr Bilder aus dem Bryce Canyon gibt es hier.



Die Naturgewalten schlagen zu

Gegen Spätnachmittag fuhren wir wieder nach Escalante zurück. Unterwegs sahen wir einige Straßen, die fast komplett überschwemmt oder unterspült wurde. Die pure Naturgewalt wurde uns deutlich vor Augen geführt.

In der Cabin angekommen haben sich inzwischen zwei etwas zwielichtige Gestalten in der Hütte neben uns einquartiert. Das ganze ist uns nicht geheuer als wir diese abends am Lagerfeuer wiedertreffen. Wir müssen uns aufwärmen, sind aber froh, als wir den dünnen Riegel der Tür hinter uns wieder schließen können und haben die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl mit unseren neuen Nachbarn.

 

Wir scrollen immer wieder unsere Wetterapps hoch und runter. Eigentlich haben wir noch zwei weitere Tage in Escalante vor uns. Eine Besserung des Wetters war laut Internet nicht in Sicht. Und selbst wenn uns morgen früh der Tag mit Sonnenschein begrüßen würde, die Straßen wären immer noch aufgeweicht. Das könnte Tage dauern, bis diese wieder befahrbar sind.


Wir treffen eine Entscheidung

Wir überlegten hin und her... unser Plan war eigentlich ein anderer gewesen. Aber unsere Urlaubszeit ist uns heilig. Davon auch nur einen Tag zu vergeuden – kam uns gar nicht in die Tüte. Wir konnten die Cabin für die weiteren leider nicht mehr stornieren. Natürlich haben wir uns kurz über das verlorene Geld geärgert, waren aber froh, als die Entscheidung fiel. Wir fahren nach Vegas zurück – unser Joker sozusagen!    

Die zweite Nacht in der Hütte war wieder klamm und kurz. Im Morgengrauen packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Weg nach Nevada. Es liegen 490 Kilometer vor uns.

 

Irgendwann auf der Hälfte legen wir eine Pause ein. Kurz Augen zumachen, etwas ruhen und dann eine Coke aus der Kühlbox holen und weiter geht’s. Als die Skyline von Vegas vor uns auftaucht und die Häuserfassaden der Casinos im Sonnenschein glitzern, sind wir uns sicher, wir haben die richtige Entscheidung getroffen.

Was wir daraus gelernt haben

Wir buchen Monate im Voraus unsere Hotels vor, die Route steht und wir haben alles gerne vorher geplant und fest gebucht. Wir sparen uns gern die Suche vor Ort mit Hotelsuche, sondern wissen gern, wo wir am nächsten Tag schlafen. Wir achten jetzt darauf, sofern möglich, nur noch Hotels, die bis 24 Stunden vorher stornierbar sind. Das hat sich in den letzten Urlauben wirklich bewährt, auch wenn es manchmal einen geringen Aufschlag bedeutet.


Die Welt ist ein Dorf

Die drei Fotografen trafen wir übrigens eine Woche später am Mesa Arch zum Sonnenaufgang wieder. Die Gruppe saß tatsächliche eine Nacht   an der Hole-in-the-rock-Road fest und ihr Auto konnten nur durch die Ranger "befreit" werden.

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Kommentare: 3
  • #1

    Silke (Sonntag, 18 Dezember 2016 11:45)

    Hey, mich würde interessieren, wann genau Ihr in Escalante gewesen seid. Wir waren 2013 nach unserem Rim to Rim Hike für 3 Nächte im September dort. Die HITRR war gesperrt, da sie - laut Auskunft im Visitor Center - Löcher aufwies, in denen ein Bus hätte verschwinden können. Wir hatten 3 Nächte im Circle D gebucht und sind auch die ganze Zeit in Escalante geblieben. Geplant waren 2 Tage Hikes rund um die HITTR und am Ankunftstag eigentlich die Strecke vom North Rim über die Cottonwood Canyon Road. Die CCR war natürlich auch gesperrt. Tag 1 in Escalante haben wir in der Laundry und mit dem Trocknen unseres Zeltes verbracht. nachmittags ging´snoch über den Burr Trail bis zum Long Canyon. Tag 2 haben wir auch spontan im Bryce Canyon NP verbracht.

    Wir buchen auch immer stornierbar. Für Escalante haben wir festgestellt, daß wir auch bei Regen immer eine Alternative finden. 2015 im Frühjahr hat uns das Wetter auch wieder die Pläne durcheinander gebracht. Hat uns aber auch nicht davon abgehalten, in Escalante zu bleiben :-)

  • #2

    Imke (Sonntag, 18 Dezember 2016 17:20)

    Hi Silke,
    ich habe gerade mal nachgeschaut. Wir waren ebenfalls im September dort, es müsste zwischen dem 10.-12.09.13 gewesen sein - vielleicht sind wir uns schon unbekannterweise über den Weg gelaufen! :-)
    Wir haben noch eine ganze Zeit das Wetter weiter verfolgt und haben einige gruselige Videos über Flashfloods gesehen. Wir waren so froh über unsere Entscheidung.
    2015 waren wir ebenfalls wieder da, dieses Mal im Mai und hatten Glück mit dem Wetter. Vielleicht lagen auch da zwischen unseren Besuchen nur ein paar Wochen. :) Die Welt ist so klein!
    Liebe Grüße,
    Imke

  • #3

    Krissie (Donnerstag, 13 April 2017 10:52)

    Nicht nur das Wetter macht manchmal Änderungen notwendig:
    Wir waren im Oktober 2013 im Südwesten der USA unterwegs, dort machte uns nicht nur das Wetter einen Strich durch die Rechnung, sondern auch der damalige Financial Shutdown:
    Alle Nationalparks waren gesperrt, wir mussten Yosemite auslassen, den Campground absagen und über den Carson Pass fahren. Durch das Death Valley konnte man zwar durchfahren, aber außer dem Zabriskie Point war alles andere abgesperrt, sodass wir beispielsweise nicht wie geplant Badwater Basin anschauen konnten. Wir wollten in den Bryce NP, der war ebenfalls gesperrt, dort hätte uns aber auch Schneefall von 10 cm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also haben wir ungeplant einen Tag Las Vegas eingeschoben. Auf der weiteren Route nach Denver wurden wir dann aber positiv überrascht: Der Capitol Reef NP wurde spontan ebenso wie alle NP in Utah vom Gouverneur geöffnet, weil er für zehn Tage die Kosten übernommen hatte, sodass wir dann die geplante Route Richtung Arches NP wenigstens mit einem Tag Verspätung fortsetzen konnten. Allerdings war auf unserem weiteren Weg Richtung Denver das Wetter dann auch so winterlich, dass wir einen Tag eher in Denver waren als geplant.
    Wie man sieht, muss man immer mal flexibel sein und auf Wetter oder andere Einflüsse reagieren zu können.